Werkstudentenprivileg freut Arbeitgeber und Studierende

Jobben während der Semesterferien sozialversicherungsfrei möglich

 

Fast jeder Student jobbt während des Studiums, um die finanziellen Mittel für das Studium, den Lebensunterhalt und die eine oder andere Freizeitbeschäftigung bzw. Urlaubsreise zu verdienen. Einige jobben regelmäßig, andere nur während der Semesterferien. Auch bei Arbeitgebern sind Studenten gern gesehene Arbeitskräfte, nicht nur wegen der zeitlichen Flexibilität, sondern überwiegend wegen der geringeren Lohnnebenkosten. Wird nur während der Semesterferien gejobbt, kann der Student als kurzfristig Beschäftigter in allen Zweigen der Sozialversicherung versicherungsfrei bleiben. Jobbt der Student dagegen auch während des Semesters, ist er bei einem monatlichen Entgelt bis 450 Euro als Mini-Jobber beschäftigt. Verdient der Student über 450 Euro pro Monat, fällt er unter das sogenannte Werkstudentenprivileg.

Werkstudentenprivileg bedeutet: Die Beschäftigung ist in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung versicherungsfrei. Nur zur gesetzlichen Rentenversicherung müssen Arbeitgeber und Studierender jeweils Beiträge in Höhe von 9,35 % des Arbeitsentgelts zahlen. Arbeitgeber haben zudem Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung, zu den Umlagen für die Entgeltfortzahlung bei Krankheit oder Mutterschaft sowie zur Insolvenzgeldumlage zu entrichten. Die Studenten selbst sind allerdings unabhängig von einem Nebenjob entweder familienversichert oder in der studentischen Kranken- und Pflegeversicherung (KVdS) versicherungspflichtig. Zur KVdS sind monatlich Beiträge in Höhe von 92,29 Euro (74,12 Euro Krankenversicherung einschließlich Zusatzbeitrag, z. B. 1,2% sowie 18,17 Euro Pflegeversicherung für über 23jährige kinderlose Studenten) zu zahlen.

Neben dem Studium arbeiten

Versicherungsfrei können nur ordentlich Studierende sein. Gemeint sind Studenten, die an einer Hochschule oder einer sonstigen der wissenschaftlichen oder fachlichen Ausbildung dienenden Schule immatrikuliert sind und deren Zeit und Arbeitskraft überwiegend durch das Studium in Anspruch genommen wird. Hauptjob muss also das Studium sein und die entgeltliche Beschäftigung der Nebenjob. Zwei wichtige Grenzen sind dafür einzuhalten:

  • 20-Wochenstunden-Grenze
  • 26-Wochen-Grenze

Bei mehr als 20 Stunden Beschäftigung pro Woche ist die Sozialversicherungsfreiheit grundsätzlich passé. Werden die Mehrstunden allerdings am Wochenende, abends oder nachts abgeleistet, tritt nicht automatisch Versicherungspflicht ein. Das Werkstudentenprivileg gilt auch, wenn bei einer befristeten Beschäftigung für einen Zeitraum von höchsten 26 Wochen wöchentlich mehr als 20 Stunden gearbeitet wird.

Hinweis: Die rechtliche Beurteilung des ordentlichen Studierenden hat sich zum 1. Januar 2017 geändert. Unbefristete Beschäftigungen sind damit automatisch versicherungspflichtig, wenn pro Woche mehr als 20 Stunden gearbeitet wird.

Kein Zeitlimit während der Semesterpause

Während der vorlesungsfreien Zeit gelten die zeitlichen Beschränklungen nicht. Studierende können also auch mehr als 20 Stunden wöchentlich versicherungsfrei arbeiten. Entscheidend ist, dass die Beschäftigung entweder nur für die Dauer der Semesterferien ausgeübt wird oder vor und nach den Semesterferien die 20-Stunden-Grenze eingehalten wird. Sobald jedoch absehbar ist, dass die längere Wochenarbeitszeit auch über die Semesterferien hinaus andauern wird, tritt Versicherungspflicht ein. Nur bei zeitlichen Überschneidungen von bis zu zwei Wochen bleibt das Werkstudentenprivileg ausnahmsweise erhalten.

Hinweis: Werden innerhalb von 12 Monaten (nicht kalenderjahrbezogen) Beschäftigungen mit mehr als 20 Wochenstunden mehrfach ausgeübt, entfällt die Versicherungsfreiheit, wenn sie in der Summe die Grenze von 26 Wochen überschreiten.

Studenten als geringfügig Beschäftigte

Werden Studenten geringfügig entlohnt (Mini-Job) oder kurzfristig beschäftigt, gelten die dafür einschlägigen sozialversicherungsrechtlichen Regelungen. Wird ein Student für ein monatliches Entgelt von nicht mehr als 450 Euro beschäftigt, hat der Arbeitgeber demzufolge die pauschalen Beiträge zur Kranken- und Rentenversicherung und Lohnsteuer in Höhe von insgesamt 30 Prozent zu entrichten. Der Student kann die Befreiung von der Rentenversicherungspflicht beantragen. Liegt kein Befreiungsantrag vor, hat der Arbeitgeber 3,7 % des Bruttoentgelts einzubehalten und an die Rentenversicherung abzuführen. Unterlässt er dies, kann er die Arbeitnehmerbeiträge nur für die letzten drei Monate vom Arbeitnehmer nachfordern, alle anderen Beiträge schuldet er selbst. Studenten als Mini-Jobber zu beschäftigen kann insbesondere dann sinnvoll sein, wenn der Studierende Bafög erhält, denn bei einem durchschnittlichen monatlichen Verdienst von mehr als 450 Euro wird dieses gekürzt.

Wird ein Student für nicht mehr als drei Monate oder 70 Arbeitstage befristet beschäftigt, ist die Beschäftigung in allen Zweigen der Sozialversicherung versicherungsfrei. Die Höhe des Arbeitsentgelts ist hierbei unbedeutend.

Tipp: Flexibilität hat ihren Preis. Damit es bei einer Betriebsprüfung kein böses Erwachsen gibt, sollte stets geprüft werden, ob das Werkstudentenprivileg tatsächlich greift und die Beschäftigung kranken-, pflege- und arbeitslosenversicherungsfrei ist. Um den Jahreszeitraum zur Statusbestimmung eines Studenten zu ermitteln, muss dabei immer vom voraussichtlichen Ende der zu beurteilenden Beschäftigung ein Jahr zurückgerechnet werden.

(Stand: 26.06.2017)

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