Mehr außergewöhnliche Belastungen abziehbar

 

 

Zwei Hürden sind zu überwinden, damit außergewöhnliche Belastungen die Steuerlast mindern. Einerseits müssen die Aufwendungen zwangsläufig sein und über den üblichen Lebenshaltungskosten liegen. Andererseits müssen sie die zumutbare Eigenbelastung übersteigen. Diese ist abhängig vom Familienstand, den steuerlich zu berücksichtigenden Kindern und dem Gesamtbetrag der Einkünfte.

Gesamtbetrag der Einkünfte bis 15.340 € über 15.340 €
bis 51.130 €
über 51.130 €
Steuerpflichtige ohne Kinder 5 % 6 % 7 %
Ehegatten/Lebenspartner ohne Kinder 4 % 5 % 6 %
Steuerpflichtige mit einem Kind/zwei Kindern 2 % 3 % 4 %
Steuerpflichtige mit drei oder mehr Kindern 1 % 1 % 2 %

Steuerersparnis durch Senkung der Eigenbelastung

Wer eine hohe Kostenbelastung trägt, darf etwas aufatmen, da die zumutbare Eigenbelastung ab einem Gesamtbetrag der Einkünfte in Höhe von 15.340 Euro geringer ist, als bisher angenommen. Denn die Richter des Bundesfinanzhofes legen den Gesetzestext mittlerweile anders aus. Sie verwerfen die alte Berechnung (einheitlicher Prozentsatz des jeweiligen Gesamtbetrags der Einkünfte) und ordnen eine gestaffelte Berechnung an. Damit sinkt die zumutbare Eigenbelastung um maximal 664,70 Euro. Die tatsächliche Steuerersparnis hängt dabei vom persönlichen Steuersatz des Einzelnen ab.

Beispiel

Ein verheiratetes Unternehmerehepaar mit zwei Kindern hat Krankheitskosten in Höhe von 4.800 € selbst getragen. Der Gesamtbetrag der Einkünfte (gemeinsames Einkommen vor Abzug von Sonderausgaben, außergewöhnlichen Belastungen und Steuerbegünstigungen) beträgt 120.000 €.

Zumutbare Belastung nach Altregelung:

4.800 € (120.000 € × 4 %) – damit konnten keine außergewöhnlichen Belastungen steuermindernd angesetzt werden.

Berechnung nach der neuen Rechtsauffassung:

  15.340 € × 2 % =    306,80 €
(51.130 € - 15.340 €) 35.790 € × 3 % = 1.073,70 €
(120.000 € - 51.130 €) 68.870 € × 4 % = 2.754,80 €
Zumutbare Belastung   4.135,30 €


Im Ergebnis werden 664,70 € als außergewöhnliche Belastungen berücksichtigt. Bei einem Grenzsteuersatz der Eheleute von 40 % zzgl. SolZ beträgt die steuerliche Entlastung ca. 280 €.

Die neue Berechnung der zumutbaren Belastung ist für alle Veranlagungsjahre anzuwenden, für die Einkommensteuerbescheide noch änderbar sind. Soweit die Finanzverwaltung noch die alte Berechnungsmethode anwendet, sollte Einspruch eingelegt werden.

(Stand: 06.09.2017)

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