Erhöhter Mindestlohn erzeugt Handlungsbedarf

Unveränderte Mini-Job-Verträge können zum Verhängnis werden

 

Zum 1. Januar 2017 wurde der gesetzliche Mindestlohn um 0,34 Euro auf 8,84 Euro brutto je Arbeitsstunde angehoben. Zusammen mit den Sozialversicherungsbeiträgen müssen Arbeitgeber mindestens 0,42 Euro je Arbeitsstunde mehr zahlen.

Monatslöhne überprüfen

Wird monatlich ein fester Bruttolohn gezahlt, so ist darauf zu achten, dass sich ein Mindeststundenlohn in Höhe von 8,84 Euro ergibt, wenn das monatliche Entgelt durch die Zahl der regelmäßig zu arbeitenden Stunden geteilt wird. Bei einer Arbeitswoche mit 40 Stunden müssen monatlich mindestens 1.532,26 Euro brutto gezahlt werden (8,84 Euro x 40 Stunden x 52 Wochen / 12 Monate). Leider ist derzeit noch nicht abschließend geklärt, ob starke Monate mit 23 Arbeitstagen mit Monaten, die weniger Arbeitstage umfassen, ausgeglichen werden können. Wer auf Nummer sicher gehen will, rechnet also mit einem monatlichen Bruttolohn von mindestens 1.626,56 Euro.

Geringfügigkeitsgrenze bei Mini-Jobs beachten

Doch das ist nicht alles. Die vermeintlich kleine Anhebung des Mindestlohns kann insbesondere bei Mini-Jobs erneuten Handlungsbedarf auslösen, wenn eine Überschreitung der Mini-Job-Grenze von 450 Euro droht. Denn auch Mini-Jobber haben Anspruch auf das höhere Mindestentgelt von 8,84 Euro pro Stunde. Daher kann es notwendig sein, eine Änderungsvereinbarung abzuschließen, durch die der Stundenlohn auf 8,84 Euro brutto erhöht und die Arbeitszeit entsprechend reduziert wird, damit das Bruttoentgelt die Grenze nicht überschreitet. Wie das nachfolgende Beispiel zeigt, kann Nichtstun Arbeitgebern mit Mini-Jobbern mehrfach zum Verhängnis werden.

Beispiel

Ein Mini-Jobber wurde im Jahr 2016 für 52 Stunden pro Monat beschäftigt. Die monatliche Vergütung betrug 442 € (8,50 € brutto pro Stunde). Ab Januar 2017 hat der Mini-Jobber einen gesetzlichen Anspruch auf 8,84 €. Der Arbeitsvertrag wird nicht geändert.

Variante 1: Der Arbeitgeber zahlt den höheren Mindestlohn von 459,68 €. Damit wird die Geringfügigkeitsgrenze überschritten und der Mini-Jobber wird zum sozialversicherungspflichtigen Midi-Jobber. Im Portemonnaie des Arbeitnehmers landen nicht mehr 442 €, sondern nur noch 412 €.

Variante 2: Der Arbeitgeber zahlt weiterhin 442 €. Damit verstößt er nicht nur gegen das Mindestlohngesetz, sondern auch gegen sozialrechtliche Vorschriften, denn Sozialversicherungsbeiträge fallen auf das Entgelt an, welches der Arbeitgeber zahlen müsste (sogenannter Phantomlohn, in unserem Fall in Höhe von 459,68 €).

Nicht in jedem Fall ist es möglich und sinnvoll, die Arbeitszeit für die einzelnen Mini-Jobber zu reduzieren und weitere Mini-Jobber einzustellen, damit das Arbeitspensum bewältigt wird. Für Arbeitgeber kann der Midi-Job (bis 850 Euro monatliches Entgelt) sogar die bessere Alternative sein, denn für eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung beträgt der Arbeitgeberanteil nur 19,425 % zuzüglich der Umlagen zur Sozialversicherung sowie der Beiträge zur Unfallversicherung. Die Lohnsteuer trägt der Arbeitnehmer. Für einen Mini-Job dagegen müssen Arbeitgeber in der Regel 30 % pauschale Sozialabgaben und Lohnsteuer sowie Umlagen zur Sozialversicherung und Beiträge zur Unfallversicherung zahlen.

(Stand: 16.02.2017)

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