Meldefrist für Künstlersozialabgabe 2016 läuft am 31. März ab

Werbung kann künstlersozialabgabepflichtig sein

 

Grafik-Designer, Multimedia-Designer, Web-Designer, Werbesprecher, Werbefotograf, PR-Fachmann, Layouter. Kaum ein Unternehmen kommt ohne die Dienstleistungen dieser Berufe aus. Denn ihre Dienstleistungen werden benötigt, um einen wirksamen Internetauftritt mit einer ebenso einprägsamen Werbung zu ermöglichen. Nach dem Künstlersozialversicherungsgesetz gehören die genannten Berufe zum Personenkreis der Künstler und Publizisten, da sie unter ästhetischen und funktionalen Gesichtspunkten die Internetpräsenzauftritte mitgestalten und programmieren. Doch nicht nur die Erstellung und Pflege des Internetauftritts unterliegt der Künstlersozialabgabe. Auch die regelmäßige Schaufensterdekoration kann künstlersozialabgabepflichtig sein.

Wozu dient die Künstlersozialabgabe?
Die Künstlersozialversicherung ist die Kranken- und Pflegeversicherung der selbständigen Künstler und Publizisten. Ihre Mitglieder müssen, wie Angestellte, nur 50 Prozent des einheitlichen Beitragssatzes zahlen. Der Arbeitgeberanteil zur Krankenversicherung selbständiger Künstler und Publizisten wird durch einen Bundeszuschuss in Höhe von 20 Prozent und die Künstlersozialabgabe mit einem 30 Prozentanteil finanziert. Unabhängig von der Branchenzugehörigkeit sind deshalb alle Unternehmen zur Zahlung der Künstlersozialabgabe verpflichtet, wenn sie Aufträge an freischaffende Künstler vergeben. Dabei kommt es nicht auf die Bekanntheit des freischaffenden Künstlers an. Es ist zum besseren Verständnis ratsam, den Begriff des selbständigen Künstlers mit selbständig Kreativer zu übersetzen. Werden künstlerische, kreative oder publizistische Werke oder Leistungen im eigenen Unternehmen in Anspruch genommen, so ist die Künstlersozialabgabe zu berücksichtigen.

Wer ist abgabepflichtig?
Das Gesetz unterscheidet drei Gruppen, die der Abgabepflicht unterliegen.
Als erste Gruppe nennt das Gesetz die Unternehmen, die typischerweise künstlerische oder publizistische Werke oder Leistungen verwerten, wie Verlage, Presseagenturen, Theater, Rundfunk und Fernsehen u. a.

Die zweite Gruppe umfasst die Unternehmen, die ständig oder auch nur zeitweise die Werbung und Öffentlichkeitsarbeit nicht durch eigene Mitarbeiter firmenintern, sondern durch externe Grafiker, Werbedesigner oder andere Kreative erstellen lassen.

Die dritte Gruppe abgabepflichtiger Unternehmen werden über eine sogenannte Generalklausel zur Künstlersozialabgabe verpflichtet. Es sind Unternehmen, die mit dem Ziel eigene Einnahmen zu erzielen, nicht nur gelegentlich Aufträge an selbständige Kreative vergeben. Die Verschiedenartigkeit der Aufträge reicht von der Gestaltung von Produkten oder Verpackungen bis zur Durchführung von öffentlichen Veranstaltungen mit Künstlern.

Wie viel und worauf muss die Künstlersozialabgabe gezahlt werden?
Die Künstlersozialabgabe betrug im Jahr 2016 noch 5,2 Prozent, für 2017 ist sie auf 4,8 Prozent gesunken.
Die Abgabe wird auf alle Zahlungen erhoben, die der Kreative für seine Arbeit erhält. Jedoch werden in die Bemessungsgrundlage nicht einbezogen u.a.

  • die Zahlungen an juristische Personen und Personengesellschaften, die im Handelsregister eingetragen sind (KG, OHG, GmbH),
  • die Umsatzsteuer,
  • Reisekosten im Rahmen der steuerfreien Pauschalen,
  • Steuerfreie Aufwandsentschädigungen im Rahmen der Übungsleiterpauschale und
  • Vervielfältigungskosten.

Erleichterungen für kleine Unternehmen
Seit 2015 gibt es für kleine Unternehmen ein paar Erleichterungen. So wurde eine Bagatellgrenze von 450 Euro eingeführt, so dass keine Beitragspflicht entsteht, wenn in einem Jahr Aufträge für nicht mehr als 450 Euro erteilt werden. Zudem muss keine Künstlersozialabgabe gezahlt werden, wenn im Jahr maximal drei öffentliche Veranstaltungen (nicht Aufträge!) mit selbständigen Künstlern oder Publizisten durchgeführt werden. Ein Beispiel soll verdeutlichen, was diese Regelung genau besagt und wie sich die Erleichterungen in der Praxis auswirken.

Beispiel 1:
Zur Neueröffnung einer Gaststätte im März 2016 wurde die Erstellung eines Firmenschildes und von Visitenkarten im Gesamtwert von 400 Euro (netto) in Auftrag gegeben. Im Laufe des Jahres 2016 wurden drei Live-Musik-Abende veranstaltet. Die auftretenden Künstler erhielten je Veranstaltung 200 Euro, somit im gesamten Jahr 600 Euro.
Lösung: Die Summe aller künstlerischen Leistungen, für die die Meldung zur Künstlersozialkasse zu prüfen ist, beträgt 1.000 Euro. Davon entfallen 600 Euro auf die drei Veranstaltungen, die der dritten Gruppe (Generalklausel) zugerechnet werden. Die Grenze von drei Veranstaltungen wurde nicht überschritten, damit entsteht insoweit keine Abgabepflicht. Der verbleibende Betrag von 400 Euro entfällt auf die Abgabepflicht gemäß der zweiten Gruppe (Werbung/Öffentlichkeitsarbeit). Mit diesem Betrag wird die Bagatellgrenze von 450 Euro nicht überschritten. Die Gaststätte ist nicht abgabepflichtig für das Jahr 2016.

Beispiel 2:
Ein Landwirt mit Hofladen lässt sich im Jahr 2016 einmal eine Verpackung für seine selbstgemachten Marmeladen und einmal für seine selbstgemachten Chutneys von einem Produkt-Designer gestalten. Der Designer erhielt je Auftrag 300 Euro, somit im gesamten Jahr 600 Euro.
Lösung: Die Summe aller künstlerischen Leistungen, für die die Meldung zur Künstlersozialkasse zu prüfen ist, beträgt 600 Euro. Die Gestaltung erfolgt gelegentlich und es ist eine Abgabepflicht nach der Generalklausel (dritte Gruppe) zu prüfen. Da die Gestaltung der Verpackung keine Veranstaltung, sondern ein Auftrag ist, entsteht hier die Abgabepflicht bereits bei einem Auftrag und Überschreitung der Bagatellgrenze von 450 Euro. Der Landwirt ist somit für das Jahr 2016 abgabepflichtig.

Hinweis: Die Künstlersozialabgabe ist jährlich bis zum 31. März des folgenden Jahres an die Künstlersozialkasse Wilhelmshaven zu melden. Die Zahlungspflicht entsteht dabei erst mit Erteilung eines Bescheids über die Künstlersozialabgabe zu zahlen. Damit es nicht zu teuren Säumniszuschlägen von 1 Prozent pro Monat kommt, sprechen Sie mit Ihrem Steuerberater und überprüfen Sie gemeinsam die Abgabepflicht Ihres Unternehmens, eventuell auch für die Vorjahre ab 1. Januar 2012. Denn so weit zurück kann die Künstlersozialabgabe bei einer Prüfung noch eingefordert werden. Die notwendigen Meldeformulare und weiterführende Informationen finden Sie auch im Internet unter www.künstlersozialkasse.de.

(Stand: 01.03.2017)

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