Nachhaltige Hotellerie: Wie Heda Silbernagel Zukunft gestaltet
Das Grüne Mandat | Hotel F·RITZ, Schleswig
Wie gestalten mittelständische Unternehmen ihre Zukunft? Mit dieser Frage beschäftigt sich die ETL-Initiative „Das Grüne Mandat“. Gemeinsam mit Unternehmern sowie ihren Beratern erzählt ETL Geschichten über Verantwortung, Innovation und Zukunftsfähigkeit im deutschen Mittelstand.
Was zunächst als Rückschlag begann, entwickelte sich zu einer Erfolgsgeschichte: Nachdem ein Hotelprojekt nicht umgesetzt werden konnte, nahm Architektin Heda Silbernagel die Herausforderung selbst in die Hand und verwirklichte ihre eigene Idee. Heute steht das Hotel F·RITZ für eine neue Form der Gastlichkeit, die regionale Verbundenheit, verantwortungsbewusstes Handeln und ein authentisches Gästeerlebnis miteinander verbindet.
Kurz und Knapp
Was Unternehmer mitnehmen können
- Niederlagen können der Schlüssel zum Erfolg werden. Heda Silbernagel verlor einen Auftrag und startete daraufhin als Hotelinhaberin durch.
- Unternehmer können ganze Quartiere prägen, wenn sie bewusst in Orte investieren, die andere bereits aufgegeben haben.
- Nachhaltigkeit beginnt oft mit Bestand statt Neubau. Wer Vorhandenes weiterentwickelt, übernimmt Verantwortung – für Ressourcen ebenso wie für seine Region.
- Energieunabhängigkeit ist nicht nur Klimaschutz, sondern Risikomanagement. Die Energiekrise hat gezeigt, dass nachhaltige Investitionen auch unternehmerische Resilienz schaffen.
- Gute Beratung schafft Freiraum für mutige Entscheidungen.

„Der Tag, an dem ich beschloss, Hotelchefin zu werden, war der Tag, an dem ich meine größte berufliche Niederlage erleben musste!“ Heda Silbernagel erinnert sich noch genau an die Geburtsstunde des Hotel F·RITZ vor mittlerweile zwanzig Jahren. Die Architektin erhielt den Auftrag, ein großes Hotel umfassend zu modernisieren und ihm eine neue architektonische Identität zu verleihen. Die Pläne waren fertig, die Partner an Bord – doch dann geriet das Projekt ins Stocken: Heda Silbernagel wurde vorgeworfen, sie könne sich nicht ausreichend in die Anforderungen des Hotelwesen hineindenken – schließlich wurde ihr der Auftrag entzogen. Bis heute zählt sie diese Episode zu den einschneidendsten und prägendsten Erfahrungen ihrer beruflichen Laufbahn.
„An diesem Abend kamen einige der Handwerksbetriebe, die ich über den entzogenen Auftrag informieren musste, bei mir zu Hause vorbei. Im Gepäck hatten sie einen riesengroßen Blumenstrauß, eine Flasche Wein und viel Zuspruch für die gemeinsame Arbeit. In jener Nacht fassten wir einen Entschluss: Statt den Kopf in den Sand zu stecken, sammelten wir all das Wissen, all die Pläne, all die Visionen, die wir gemeinsam erarbeitet hatten, für unser eigenes Großprojekt – das Craft-Hotel F·RITZ.“ Ein Wendepunkt im Leben der Architektin, die buchstäblich über Nacht den Beruf „Hotelinhaberin“ ihrem Lebenslauf hinzufügte. Heute, zwanzig Jahre später, prägen beide Rollen noch immer das Besondere ihres Hauses: architektonische Qualität und gelebte Gastlichkeit.
Die schwerste Entscheidung ihres Berufslebens

Aus einer brachliegenden Fläche direkt neben ihrem Architekturbüro im Schleswiger Stadtteil Friedrichsberg entstand das Hotel F·RITZ. 2007 eröffnete es mit zwölf Betten, heute bietet es Platz für 50 Gäste. Ob das funktionieren würde, wusste Heda Silbernagel nicht: „Unser Stadtteil Friedrichsberg war damals weitgehend sich selbst überlassen und verfiel zunehmend“, erklärt die Wahl-Schleswigerin. Ich wollte und konnte nicht tatenlos zusehen, wie das geschieht. Daher war es eine bewusste Entscheidung für den Friedrichsberg, das Hotel F·RITZ hier zu gründen“, so die Unternehmerin.
Ihr Hotel, so sagt sie, sei ein Friedrichsberger Original. „Wozu etwas zerstören, wenn man etwas gestalten kann, was da ist?“, fragt die Hotelinhaberin rhetorisch. „Mir leuchtet nicht ein, weshalb am Ufer der Schlei große Neubauten auf Kosten der unberührten Natur entstehen müssen, wenn man stattdessen einen so lebens- und sehenswerten Ort mit so viel Potenzial vor dem Verfall bewahren und etwas ganz Neues erschaffen kann.“
Verantwortung als Kompass
Bis 2027 will das Hotel unabhängig von fossilen Brennstoffen werden. Ein unternehmerischer Kraftakt, gibt Heda Silbernagel offen zu. Aber er sei alternativlos: Die Energiekrise 2022 zeigte dem F·RITZ schlagartig, wie riskant die Abhängigkeit von Gas ist. Für sie geht es dabei nicht nur um Klimaschutz, sondern auch um unternehmerische Resilienz und Verantwortung gegenüber kommenden Generationen. „Diese Situation hat uns vor Augen geführt, dass nachhaltige Energie die sicherste Energie ist. Wir sind nun mit Hochdruck dabei, uns komplett unabhängig vom Gas zu machen. Das schafft Planungssicherheit und damit Handlungsfähigkeit in Extremsituationen.“
Heda Silbernagel weiß um die Kontroversen, die das Thema „Nachhaltigkeit“ mit sich bringt. Sie versteht, was für ein finanzieller Kraftakt es für mittelständische Unternehmen ist, die nötigen Investitionen in klimafreundliche Technologien zu stemmen. Umso dankbarer ist sie, dass Marina Tietz-Johannsen von der MPE GmbH Steuerberatungsgesellschaft ihr den Rücken freihält. Seit 2017 berät die Geschäftsführerin der Schleswiger ETL-Kanzlei das Hotel F·RITZ in allen steuerlichen, finanziellen und unternehmerischen Fragestellungen. „Marina Tietz-Johannsen ist ein Glücksfall für uns. Durch ihre umfassende Beratung sorgt sie dafür, dass wir die finanzielle Sicherheit und das Vertrauen von Kreditgebern genießen, um die Weichenstellungen für die Zukunft unseres Betriebs zu stellen. Ob Investitionen, Finanzierungsgespräche oder die langfristige Ausrichtung des Hotels – viele unternehmerische Entscheidungen der vergangenen Jahre haben wir gemeinsam vorbereitet und begleitet.“
Für Heda Silbernagel überwiegen die unternehmerischen Vorteile klimafreundlicher Investitionen bei Weitem das Risiko. „Aber selbst, wenn dem nicht so wäre“, betont sie, „halte ich es für ein Gebot meiner Moral und meines Gewissens, so klimafreundlich und nachhaltig wie möglich zu wirtschaften. Mit dem Hotel F·RITZ wollte ich meinen Kindern, den Menschen hier in Schleswig und dem Friedrichsberg etwas geben, was bleibt. Das ist doch die Kernbedeutung des Begriffs ‚Nachhaltigkeit‘ – Verantwortung für kommende Generationen übernehmen.“
Etwas schaffen, das bleibt
Aus ihrer größten beruflichen Niederlage ist ihr vielleicht größter beruflicher Erfolg geworden. Und sie hat etwas geschaffen, das bleibt – für die Familie, für die Friedrichsberger, für Touristen aus aller Welt. „Als ich vor 30 Jahren in den Friedrichsberg zog, habe ich mich sofort in diesen Stadtteil verliebt: eine beeindruckende Historie, die Nähe zur Natur und eine pulsierende Urbanität, die man in einer Kleinstadt wie Schleswig vielleicht gar nicht vermutet“, gerät Heda Silbernagel ins Schwärmen. „Ich wusste 2007 nicht, ob es funktionieren kann, an einem solch prekären Ort ein Hotel zu führen. Doch wir haben es geschafft. Heute betrachten die Friedrichsberger das Hotel F·RITZ stolz als ihr kleines lokales ‚Ritz Carlton‘.“
Nächster Teil
Hinter den Kulissen des Hotel F·RITZ
Im August besuchen wir Heda Silbernagel und Marina Tietz-Johanssen in Schleswig. Wie entsteht Gastfreundschaft? Welche Rolle spielen Architektur, Regionalität und Nachhaltigkeit im Alltag? Und welche Geschichten verbergen sich hinter den Türen des Hotel F·RITZ? Bleiben Sie neugierig!
