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Aktuelles
17.11.2022

Wie ein Business erblüht – Von Samenbomben zur großen Vision

Im Gespräch mit „Die Stadtgärtner“-Gründer Torge Kahl

Mit nachhaltigen Geschenkartikeln die großstädtischen Asphaltburgen begrünen – Dieses Ziel haben sich die drei Jungs Jan, Torge und Derk mit ihrem Unternehmen Die Stadtgärtner gesetzt. Dabei gestaltete sich der Weg der Gründer durchaus steinig. Von den ersten Gehversuchen mit selbstgebastelten Samenbomben (Seedbombs) bis zum heutigen umfangreichen und vielseitigen E-Commerce-Business mussten viele Hürden übersprungen werden. Wobei die drei Norddeutschen „Naturburschen“ erstaunliches Improvisationstalent bewiesen. Wie Die Stadtgärtner ohne „Masterplan“, aber mit viel Herzblut und Ideenreichtum aus der WG-Küche zum erfolgreichen Unternehmen gewachsen sind, welches nun u. a. für den „Green Innovator des Jahres 2023“ nominiert ist, hat uns Mitgründer Torge Kahl verraten.

Torge, wie sind Die Stadtgärtner entstanden?
Durch puren Zufall. Mein damaliger Kommilitone in Emden und WG-Mitbewohner Derk fing eines Tages an, Samenbomben zu rollen und als kleines Geschenk an Freunde und Familie weiterzugeben. Ein paar Jahre später, Derk studierte mittlerweile in Hamburg, meldete er sich wieder bei mir und berichtete davon, wie seine Seedbombs mittlerweile die Tristesse in einigen Hamburger Stadtvierteln aufhübschten. Dadurch wuchs der Kreis an Menschen, die sich für die Samenbomben interessierten – sei es als Geschenkidee oder für den eigenen Gebrauch – immer mehr an. Da auch der Wohnort der Empfänger immer überregionaler wurde, fing Derk zu dieser Zeit an, eine Aufwandsentschädigung zu erbeten. So fing die „kommerzielle Geschichte“ ursprünglich an.

Ihr habt dann relativ schnell die Möglichkeit genutzt, eure Samenbomben bei DaWanda (heute Etsy) zu verkaufen. Was war deine Rolle zu dieser Zeit?
Meine Aufgabe war es, einen Webshop für unsere Seedbombs zu bauen. Der Grund ist, dass ich nach meinem Studium in den E-Commerce-Bereich gegangen bin und dort erste Arbeitserfahrungen gesammelt habe. Ich stand also bei Derk im Ruf, die Technik ganz gut zu beherrschen. Gesagt getan, wir haben einen Webshop entwickelt und der lief auch gleich gut an.

„Auf einmal hatten wir Platz, um Dreck zu machen.“

Ab dann ging es nur noch bergauf?
Erst einmal nicht. Relativ schnell kamen wir an unsere Kapazitätsgrenzen in der Produktion. Derk, der die Produktion nach Nordhorn in den Keller seines Elternhauses verlegt hatte, konnte den eingehenden Bestellungen nicht hinterher rollen. So stieg Jan in unser Team ein und fungiert seitdem als einer der drei Gründer von dem, was später zu Die Stadtgärtner werden sollte. Einer – wenn auch natürlich nicht der einzige – Vorteil an Jan war, dass er einen Bauernhof „mitbrachte“, schließlich kommt er aus dem ländlichen Raum bei Nordhorn. Auf einmal hatten wir Platz, um Dreck zu machen, auch einmal eine Mischmaschine zu nutzen und so weiter. So haben wir unsere Produktion beschleunigen können, obwohl wir weiterhin alles in Handarbeit hergestellt haben.

Welche neuen Herausforderungen ergaben sich daraus?
Man muss die Seedbombs ja auch trocknen. Sie sind letztlich eine Mischung aus Erde, Ton, Saatgut und Wasser. Diese muss binnen 24 Stunden trocknen, da das Saatgut ansonsten keimt. Zum Glück hatte der Nachbarhof eine Biogasanlage. Bauern mit Biogasanlage leiten die Abwärme davon sehr oft durch Trockencontainer. So auch in diesem Fall. Wir durften unsere Produkte in diesen Trockencontainern aufbewahren. Das war ein enormer Fortschritt für uns. Und so entstanden Die Stadtgärtner. Derk beendet sein Praktikum in Hamburg und kehrte komplett nach Nordhorn zurück, wo er drei Jahre lang allein in Vollzeit an unseren Samenbomben arbeitete. Jan kam dann hinzu und ich bin vor etwas mehr als fünf Jahren als letzter von uns drei Gründern in Vollzeit eingestiegen.

„Unsere erste Reaktion war: ‚Nö, machen wir nicht.‘ Unsere zweite war dann: ‚Na klar machen wir das!‘“

Wie habt ihr es geschafft, so schnell bekannt zu werden und zu wachsen? Am Anfang war es sicherlich Mund-zu-Mund-Propaganda. Wie habt ihr eine breitere Zielgruppe auf euren Webshop aufmerksam gemacht?
Es hat schon eine Weile gedauert, bis wir Einnahmen generiert haben. Zunächst haben wir den Webshop vermarktet, also z. B. Google- und Social Media-Werbung geschaltet. Und dann kam etwas Glück dazu. Eines Tages sprach uns ein Firmenchef an, der auf unsere Seedbombs aufmerksam geworden ist und mit einem Mal 10.000 Stück geordert hat. Unsere erste Reaktion war: „Nö, machen wir nicht.“ Unsere zweite war dann: „Na klar machen wir das!“ So begann es, dass wir unsere Samenbomben auch als Werbegeschenke und Promo-Artikel definierten. Ab diesem Moment wuchs auch unsere Produktpalette stetig an, so dass wir immer mehr nachhaltige Geschenkartikel entworfen und zum Kauf angeboten haben. Seitdem gehen wir auch auf Messen und haben angefangen, unsere Produkte im stationären Einzelhandel anzubieten. Bis heute sind das unsere drei Vertriebswege: Direktverkauf online, stationärer Einzelhandel, Werbe- und Mitarbeitergeschenke.

„Uns war eben nicht von Anfang an klar, dass wir eine Firma für nachhaltige Geschenkartikel, die Freude bereiten und die Leute zurück zur Natur bringen, gründen wollen.“

Oftmals hört man ja in Gründerpodcasts recht märchenhaft anmutende Narrative: Die Leute in diesen Geschichten haben eine Vision, sammeln Geld ein und starten direkt durch. Lief es bei euch auch so?
Nein, das war bei uns gar nicht so. Wir hatten am Anfang weder einen großen Plan, noch krasse Visionen. Dadurch hat es möglicherweise etwas länger gedauert, bis sich ökonomischer Erfolg bei uns einstellte. Uns war eben nicht von Anfang an klar, dass wir eine Firma für nachhaltige Geschenkartikel, die Freude bereiten und die Leute zurück zur Natur bringen, gründen wollen. Wir haben ein Produkt gehabt und versucht, es an Freunde und Verwandte und darüber hinaus stetig mehr Personen zu verkaufen. Irgendwann merkten wir, dass wir davon leben könnten. Dann kamen mehr Produkte hinzu. Und diese Prozesse sind auch noch nicht abgeschlossen. Wenn man von Anfang an alles auf diese Karte gesetzt hätte, wäre es vermutlich schneller gegangen und mit weniger Schmerzen verbunden gewesen. Aber so war es bei uns nicht, und das macht uns auch besonders, finde ich.

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